01.04.2025
M wie Motiv
Kommunikation
Körpersprache
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Ein Formular wird kürzer. Eine Zeile weniger, ein Klick weniger im System, kaum der Rede wert, dachtest du, als du es auf die Agenda gesetzt hast, zwischen zwei größeren Punkten, fast eine Formsache, ein Häkchen, das du eigentlich nur noch bestätigen lassen wolltest, bevor ihr zum eigentlichen Thema des Meetings übergeht.
Und dann wird ein Kollege im Meeting laut, der seit Jahren der Ruhigste im Raum ist, der Konflikten sonst eher ausweicht, der sich für gewöhnlich meldet, wenn schon alle anderen fertig sind, und dann nur mit einem Nebensatz, den man leicht überhören kann. Er bringt Argumente, viele Argumente, hintereinander, fast atemlos, so als hätte er sie schon lange vorbereitet, nur auf diesen Moment gewartet, ohne dass jemand am Tisch geahnt hätte, dass dieser Moment überhaupt kommt.
Prozesssicherheit, Nachvollziehbarkeit, rechtliche Grauzonen, Dinge, an die vorher niemand gedacht hat, jedenfalls nicht bei einem einzelnen Formular. Fachlich halten die wenigsten davon stand, das siehst nicht nur du, das sehen auch die anderen am Tisch, an den Blicken, die sich kurz kreuzen und genauso schnell wieder wegschauen, aus Höflichkeit oder aus Unsicherheit, wer jetzt etwas sagen soll.
Er hat diesen Prozess vor fünf Jahren mitentwickelt, in seinen ersten Monaten im Unternehmen, mit einer Excel-Liste, die heute noch irgendwo auf einem Server liegt, mit seinem Namen im
Dateipfad, den außer ihm vermutlich niemand kennt und niemand je gesucht hat. Über das Formular redet ihr also gar nicht wirklich. Ihr redet über die letzten fünf Jahre, auch wenn das keiner von euch beiden so nennen würde, wenn man ihn danach fragen würde, am ehesten noch als „Grundsatzdiskussion“, die eigentlich keine ist.
Die Frage hinter der Frage
Stell nicht die Frage, die dir zuerst einfällt, „Wie überzeuge ich ihn von der Änderung?“ Stell die Frage, die dahinterliegt: „Was steht für ihn gerade auf dem Spiel?“ Status, Zugehörigkeit, Autonomie, Sinn, meistens ist es eines von diesen vier, manchmal auch zwei zugleich. Sobald du das siehst, verschiebt sich das ganze Gespräch, ohne dass du auch nur ein Argument zur Sache selbst ändern musst. Du musst niemanden mehr von einer Sache überzeugen.
Du musst nur dafür sorgen, dass er nichts mehr zu verteidigen hat, was eigentlich gar nicht zur Debatte stand. Manchmal reicht ein einziger Satz vorweg: „Der alte Prozess hat uns fünf Jahre gute Dienste geleistet, deshalb bauen wir jetzt darauf auf.“ An der Sache ändert das nichts. Am Ton im Raum ändert es alles.
Bei wem in deinem Umfeld kämpfst du gerade um eine Sache, die eigentlich keine Rolle spielt?
Genau diese Frage, was wirklich auf dem Spiel steht, ist Teil eines Systems, das ich in „Schwierige Gespräche, klug gelöst“ beschreibe, mit drei weiteren Perspektiven, die genauso oft übersehen werden wie diese erste, gerade weil sie sich hinter der eigentlichen Sache verstecken.
Mit kommu-nika-tiven Grüßen
Nika
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